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RWV Götterdämmerung Karlsruhe 15.10.17

Einige Fotos von unseren Reisen.

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Danke an Herrn Kiefer für die Bereitstellung der Fotos.

 

Tobias Kratzer inszeniert Richard Wagners „Die Götterdämmerung“ in Karlsruhe – Alexander Dick
„Nur eines will ich noch: das Ende“, lässt Richard Wagner seinen Gott Wotan verzweifelt aufschreien. Und der, der dafür
sorge, sei sein ewiger Gegenspieler Alberich, der schwarze Charakter, der, um unendliche Macht zu bekommen, der Liebe
abschwor. Wotans verzweifelte Bitte ums „Aufhören“ kommt früh in jenem großen philosophisch-musikalischen Weltentwurf,
der als „Ring des Nibelungen“ zu den bedeutendsten Schöpfungen des Theaters gehört: im zweiten Akt der „Walküre“. Da
stehen noch mehr als ein Akt und zwei groß(artig)e dreiaktige Opern bevor, aus denen der sich in seinen Vertragswerken
heillos verstrickte, mehr und mehr scheiternde Weltenlenker Wotan freilich schon großenteils resigniert zurückgezogen haben
wird.„The End“ – das Ende – prangt in großen Lettern auf einem burgunderroten Vorhang auf Rainer Sellmaiers Bühne zu
Beginn von Tobias Kratzers „Götterdämmerung“ am Badischen Staatstheater. Da stehen noch sechs Aufführungsstunden
bevor, ehe die neue Karlsruher Tetralogie vollendet sein wird. Welche sich dadurch auszeichnet, dass sie, ähnlich wie vor bald
zwei Jahrzehnten in Stuttgart, von vier verschiedenen Regisseuren in Szene gesetzt wurde. Tobias Kratzer ist kein Alberich,
eher schon ein bisschen Mephisto, ein Geist, der stets verneint. Einer der klügsten und kreativsten, den das Musiktheater
derzeit zu bieten hat, und dessen Bayreuth-Engagement für den „Tannhäuser“ im Jahr 2019 eine konsequente Entscheidung
ist. Man könnte seine Interpretation der „Götterdämmerung“ im Untertitel auch „Variationen über das Ende“ bezeichnen,
über die Macht und Ohnmacht von Regie. Und über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Utopie.Kratzer inszeniert nämlich
nicht nur „Götterdämmerung“. Er knüpft an die drei Vorabende an, ohne sie konkret weiterzudenken. Drei Regiestühle stehen
vor dem zitierten Vorhang zu Beginn, kenntlich gemacht mit den Titeln der anderen drei „Ring“-Opern. Auf ihnen deren drei
Karlsruher Regisseure David Hermann, Yuval Sharon und Thorleifur Örn Arnasson. Das heißt – sie sind es nicht. Es sind die drei
Nornen als Regiedoubles. Wie deren Regiebemühungen, die Weltgeschichte in einem positiven Sinn fortzuspinnen, ausgehen,
weiß man: Das Seil reißt, die Katastrophe schreitet voran. In diesem Sinn spinnt Kratzer seine „Götterdämmerung“ fort.
Wiederholt versuchen die drei „Regisseure“ – später auch als Rheintöchter – die Akteure zum Umdenken zu bewegen. Das ist
Episches Theater im besten brechtischen Sinn, anknüpfend an das Theater der Antike, das Richard Wagner so schätzte. Die
„Regie-Nornen“ begleiten Siegfried, den Naturbuben, in die Zivilisation und müssen zusehen, wie dieser der ersten besten
Intrige – dem Vergessenstrunk – auf den Leim geht. Aber wie soll er auch anders, ist er doch gerade erst in der Gibichungen-
Halle, die Ausstatter Rainer Sellmaier wie einen postmodernen, nüchternen Spiegelsaal gestaltet, sich seines eigenen
Spiegelbildes entwicklungspsychologisch gewahr geworden – und schreckt davor zurück. Der Weltenbrand ist nur ein
„Brändchen“ In der dritten Szene des ersten Aufzuges muss die erste Norn gar in die Gestalt von Brünnhildes
Lieblingsschwester-Walküre Waltraute schlüpfen, um diese davon zu überzeugen, dass sie den Unheil bringenden Ring wieder
zurückgibt. Aber es ist, wie es auch in der gegenwärtigen politischen Weltlage erscheint: Wer durch extreme Gefühle
verblendet ist, lässt sich auch durch die beste Regie nicht bekehren.Was bleibt in dieser Konsequenz? Vor dem Weltenbrand,
der finalen Katastrophe, die alles wieder auf Reset stellt, schreckt auch Tobias Kratzer zurück. Seine Brünnhilde steckt nur die
Partitur in Brand, dieses fatale Lehrbuch der Unausweichlichkeiten; ein „Brändchen“ nur ist’s. Und sie bedeutet den Akteuren,
die alle tot vor ihr liegen, wenigstens wieder zurückzukehren an den Ausgangspunkt der „Götterdämmerung“: Siegfried und
Brünnhilde in ihr Steingemach, das in dieser Inszenierung wie eine noble, schneeweiße Hochzeitssuite im Hotel aussieht. Das
ist nicht der ganz große Neuanfang, aber doch immerhin eine Möglichkeit…Nicht alles ist ganz groß in dieser Inszenierung.
Manchmal galoppiert Kratzers Kreativität mit ihm durch, etwa wenn er Brünnhildes Pferd Grane im zweiten Akt leibhaftig auf
die Bühne stellt und am Ende dessen „Leiche“ hereintransportieren lässt – Symbol für Brünnhildes Niederlage. Aber unterm
Strich ist diese „Götterdämmerung“ eine der intelligentesten Einlassungen auf den „Ring“-Kosmos. Und nicht zuletzt auch eine
der musikalisch brillantesten. Deren Rückgrat sind Justin Brown und die in sattesten Wagner-Klängen aufspielende Badische
Staatskapelle; der scheidende Generalmusikdirektor lässt das kontrapunktische Geflecht in maximaler Plastizität
herausarbeiten, ohne sich im Labyrinth Wagner’scher Motivik zu verirren.Und nicht zuletzt ist diese „Götterdämmerung“ ein
Fest der Stimmen. Daniel Franks Siegfried gehört zum Besten, was in dieser Partie in jüngerer Vergangenheit zu erleben war:
ein herrlich elastischer, in den Höhen fein abdunkelnder Tenor mit großem, aber nicht übergroßem Volumen und enormer
Stilsicherheit. Bahnt sich da eine Weltkarriere an? Auch Heidi Meltons Brünnhilde ist von beachtlicher vokaler Statur. Sie teilt
sich die Partie klug ein, kann zwar in den Forte-Höhen nicht aufs Forcieren verzichten, bindet das aber klug und mit Übersicht
in den Kontext ihrer Gesangsphrasen ein. Konstantin Gorny gibt einen bedrohlichen, von schwärzestem Bass getragenen
Hagen und auch Armin Kolarczyks Gunther zeichnet ein vielschichtiges Rollenporträt dieser so heterogenen Figur. Aus dem
homogen besetzten Ensemble ragt Katharina Tier als Flosshilde, erste Norn und vor allem Waltraute hervor. Auf hohem
Niveau agieren zudem Christina Niessen (Gutrune), Jaco Venter (Alberich) und der üppig tönende Chor (Ulrich Wagner). Ein
festspielreifer Abend, aber – leider – schon das Ende dieses „Rings“ Alexander DickWeitere Aufführungen: 22.10., 5.11.; 7.1.,
2.4., 12.5. www.staatstheater.karlsruhe.de Copyright Badische Zeitung, Di., 17.10.2017

 

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